2017 - Erfahrungen / Fotos / Kritik...

Rückblick

Sanfter Wind, Bäume und frisches Gras unter den Füßen - das war der sommerliche Schauplatz für unsere Atemstunden an vier Sonntagvormittagen in „Planten un Blomen“ - Hamburgs "Grüner Lunge" mitten im Herzen der Stadt.

Jeder einzelne Sonntag konnte mit einigen Regenspritzern aufwarten, wobei die Sonnenstrahlen allerdings überwogen und sich bis zum Schluss hin deutlich steigerten! Da die Hamburger/innen ja bekanntlich kein schlechtes Wetter kennen, kamen sie mit der richtigen Kleidung zum Atmen und waren voller Freude bei der Sache.

Ich selbst hatte die Gelegenheit einmal an einer Atemstunde teilzunehmen und eine andere zusammen mit meiner Kollegin Heike zu leiten.

Das Setting war zunächst etwas ungewohnt, denn statt wie üblich auf unseren Hockern zu sitzen, standen wir alle in einem großen Kreis. Die Ruhe, die sich oft in einer Atemstunde in geschlossenen Räumen bereits nach dem ersten Ankommen einstellt, gestaltete sich hier anders. Vorübergehende Spaziergänger und Hunde, Wind, Wetter und die rauschende Platane, an der auch unser Banner in großen Buchstaben angebracht war, begleiteten unseren Weg nach innen. Sie blieben auch die ganze Zeit über sehr präsent. Während wir im Übungsraum unsere Umgebung schon mal ganz vergessen können, waren wir hier draußen ganz einfach viel mehr Teil der Atmosphäre, der Luft, des Regens, der Elemente.

Bei früheren Erfahrungen hatte ich das Atmen im Freien manchmal als schwierig, da voller Ablenkungen von meiner eigenen Wahrnehmung, empfunden. Dieses Mal überwog eher der Austausch und das Wechselspiel mit der Natur. Und auch mit den circa 22 Menschen, die sich am letzten Sonntag eigens zu dem Event im Park aufgemacht oder sich ganz spontan dazugesellt hatten.

Die Wahrnehmung der Körperwände und des Kontakts zur Luft, das Gehen und Bewegen waren für mich besonders naheliegende Übungen, aber auch das Sammeln und Lauschen bekamen eine ganz spezielle intensive Qualität.

Und so verließ ich die Wallanlagen jedes Mal voller Freude über das atmende Miteinander von Parklandschaft, alten und neuen Bekannten, Kolleginnen und teilnehmenden Passanten - erfrischt, angeregt vom Atmen und voller neuer Impulse.

Mit uns geatmet hat übrigens auch eine Wasserorgelspielerin von den berühmten Planten-un-Blomen-Wasserlichtspielen. Sie wurde im Anschluss von einem kleinen Grüppchen aus dem Atemkreis gleich zur Mittagsvorstellung begleitet - „Hamburg-atmet goes Wasserlichtkonzerte“!

Claudia Kaltenbach M.A., Sprach- und Kommunikationstrainerin, Sprech- und Stimmcoach, Atem- und Körperpädagogin AFA

Eindrücke vom 06.08.17

Eindrücke vom 30.07.17

Auftakt am 16.07.17

Hamburg atmet“

- persönlicher Eindruck eines Teilnehmers der ersten Runde -

 

Ich war erst nicht so sicher, ob ich überhaupt teilnehmen sollte, denn ich musste damit rechnen, dass – wenn überhaupt bei dem recht trüben Wetter Jemand teilnehmen würde – ich dann vielleicht der einzige Mann unter lauter Frauen sein würde, da ja „Atemtherapie“, oder allgemeiner: „Körperarbeit“, nach allen bisherigen Erfahrungen Frauen mehr anzieht als Männer (Männer greifen lieber zum Sport, wo „Leistung“ verlangt wird!).

 


So war es auch: ich sah, dass einschl. der Veranstalterinnen immerhin 10 Teilnehmerinnen zusammen kamen, unter denen ich dann als 11. der einzige Mann wäre. Aber ich gab mir einen Ruck, doch mitzumachen. Warum? Ich war einfach neugierig, was diese Teilnehmerinnen bewog, sich trotz der schlechten Wetterlage auf die Wiese in den Wall-Anlagen zu stellen und zu „atmen“. Atmen wir nicht ohnehin immer, jeden Tag, jede Sekunde? Was also konnten wir bei „Hamburg atmet“ noch dazulernen?

Nun – ich wusste ja schon von meiner Frau Sigrid, und hatte es in mehreren ihrer Kurse erlebt, dass „atmen“ nicht nur heißt „schlechte Luft aus- und gute Luft einatmen“ (also der bekannte CO2/O2-Austausch), sondern dass in solchen Atem-Übungen Körper-Erfahrung gemacht wird, die tief ins Seelisch-Geistige hineinreicht, Verspannungen abbaut und den Menschen frei macht für seine eigene Weiterentwicklung und Selbstfindung.

Also: das war vielleicht das Motiv, warum die Frauen hier zusammen kamen? Ich war gespannt, ob wir diesem Ziel heute in Hamburg näher kommen würden. Außerdem fand ich es gut, dass nach den schrecklichen Hamburg-Krawallen rund um den G20-Gipfel nun einmal Hamburg wieder unter so positivem Licht erstrahlen konnte!

Und das Ergebnis? Es herrschte ein wohltuend freier, sehr menschlicher Geist in der Runde, der den Unterschied Mann/Frau ganz vergessen ließ, und als es nach etwa einer halben Stunde anfing zu nieseln und wir uns unter der Platane auf Bänken im Kreis zusammensetzten, war schon aus den 11 Einzelwesen so etwas wie eine stille, unausgesprochene „Gemeinschaft“ geworden, in der man sich (bestimmt wegen der vorausgegangenen gemeinsamen Atem-Erlebnisse) nahe fühlte und sich „verstand“. Das allein war schon ein schöner Erfolg des Treffens!

Und was war die „Methode“, der Weg, der zu diesem Ziel führte (griech. méthodos = der Weg zu etwas hin)? Wir hatten das Glück, gleich zwei Atemtherapeutinnen mit etwas unterschiedlicher Methode als Veranstalterinnen vor uns zu haben. Sie verfolgten zwar das gleiche Ziel, aber doch aufgrund ihrer Ausbildung (Britta mehr nach der Methode Middendorf, Sigrid mehr nach Herta Richter) mit leicht unterschiedlichen Akzenten, die sich in wunderbarer Weise ergänzten.

Wir erlebten von der einen Seite (Britta) klare, gut strukturierte Anweisungen, was zu tun war: Dehnung und Entspannung des gesamten Körpers, Konzentrieren auf das „HARA“, anschließendes Feststehen auf beiden Beinen („Stabilität“, aber nicht starr und unbeweglich, sondern eher als „Elastizität“ mit leichtem Schwankungsspielraum), dann auch innerliches Aufsteigen in die Senkrechte, in den Kopf und – nach Britta – auch „darüber hinaus“.

Von der anderen Seite (Sigrid) erlebten wir das abtastende, vorspürende Hineinhorchen in den Körper, bevor Anweisungen gegeben wurden; dann eine stärkere Konzentration auf die Füße als tragendes Fundament des Körpers („Fuß- und Boden-Wahrnehmung“), ferner auf den „atmenden Rücken“ (statt den von Therapeuten/innen immer wieder beschworenen „atmenden Bauch“) und schließlich eine Aufrichtung des vorher gebeugten Körpers unter gleichzeitigem Aus- (nicht, wie gewohnt) Einatmen, was zu einem enormen Kraftgefühl und Selbstbewusstsein führt.

Ein hübsches Ereignis am Rande: nachdem Sigrid gerade gesagt hatte „Jetzt kommt der Ausatem“, ertönte vom Hafen her ein lautes „Tuuuut“ von einem Schiff - - - . Das war ein schönes Zeichen: „Hamburg atmet!“

So ergänzten sich die beiden Therapeutinnen und ihre Methoden auf fruchtbare Weise, und ich stellte fest: während ich sonst mittags gern eine Ruhepause einlege, brauchte ich heute keine, - ich war frisch bis zum Abend!

Prof. Dr. Gerhard Schaefer